Bahn, Blitze, Busverkehr.

Der folgende Artikel stammt von Gastautor heavykevi:

Wer hätte das gedacht? Da zieht ein großes Unwetter auf und schon ist das gesamte Schienennetz zwischen Hamburg Hbf und Cuxhaven lahmgelegt. Für eine Fahrt von 1,5 Stunden von Harburg nach Cuxhaven brauchte ich sensationelle vier Stunden, drei Busse, eine S-Bahn und jede Menge eiserne Nerven. Ich sage Euch, das war der Wahnsinn. Und das ist passiert:

Meine Reise begann wie fast üblich im beschaulichen Göttingen. Abfahrt war 16.07 Uhr, die Ankunft war für 21.50 Uhr in Cuxhaven geplant. Im netten Uelzen bemerkte ich die zuziehenden Wolken, habe mir aber keine Gedanken gemacht, bis mich u.a. NetZero angerufen hat und mir mitgeteilt hat, wie heftig das Gewitter zwischen Hamburg und der Nordseeküste rund um Cuxhaven wütet.
So bin ich also bis Harburg recht gut durchgekommen, als mein Metronom nach Cuxhaven bereits um 19:50 am Gleis stand, was mich mehr als gewundert hat. Nach Fahrplan war seine Ankunft für 20.24 Uhr geplant. Über die Lautsprecher bekam ich mit, dass es zwischen Hamburg und Bremen einen Blitzeinschlag gab (und im Nachhinein habe ich erfahren, dass ein Baum den Metronom von Bremen nach Hamburg umgesenst hat).

Der Fernverkehr war davon betroffen und auch der Nahverkehr. Wäre ja alles nicht so wild, wäre nicht der Metronom nach Cuxhaven mysteriös am Bahngleis geblieben. Auf Nachfrage erläuterte man mir, dass man derzeit nicht fahren könnte, da ein Blitz in die Oberleitung gefahren wäre und die S-Bahn nun die Gleise zusätzlich blockieren würde. Man muß dazu erläutern, dass der Metronom eine Diesel-Lok ist und nicht auf Oberleitungen angewiesen ist, sonst hätte der Metronom sicher langsam die Strecke passieren können.

Die Fahrgastbetreuer des Metronoms lotsten mich also zum ServicePoint der Deutschen Bahn, die mir nur die Auskunft geben konnten, mit der S-Bahn nach Neugraben zu fahren. Von dort aus würde ein Schienenersatzverkehr (SEV) nach Buxtehude eingerichtet sein. Von Buxtehude aus würde dann wieder ein Metronom oder zumindest die S-Bahn in Richtung Stade verkehren.

Sollte der Mann recht behalten? Die S-Bahn in Hamburg-Harburg (S3) kommt an, ich steig’ ein, in Hamburg-Neugraben müssen alle raus. Auch der angekündigte SEV stand bereit. Allerdings kamen auf 50 Sitzplätze etwa 150 Reisende. Ein völlig überfüllter, unklimatisierter Bus. Bereitgestellt vom Metronom. Leider.

20.50 Uhr: In Buxtehude angekommen rannten wir nun alle in die S-Bahn nach Stade. Endlich wieder ein Sitzplatz. Die Türen schlossen sich, eine freundliche Stimme im Bahnhof hörte man noch sagen, wie die Bahn in wenigen Minuten abfährt. Diese freundliche Stimme war es auch, die uns ankündigte, dass ein Metronom nach Cuxhaven in Kürze einfahren sollte. Wir, die Reisenden, sind also aufgesprungen, wollten aussteigen – ging nicht. Türen nicht freigegeben. Ganze zwei Minuten. Immer diese Massenpanik. Völlig unnötig.

Die Türen öffneten sich, ein Fuß war auf den Boden gesetzt, als die freundliche Stimme eine nicht so freundliche Mitteilung machte:

“Aufgrund eines Feuerwehreinsatzes zwischen Stade und Buxtehude, mussten die Oberleitung abgestellt werden. Dadurch kann der Metronom nicht auf das Gleis einfahren, da die S-Bahn dieses Gleis blockiert.”

Ein Raunen, ein Verzweifeln, ein Anruf von NetZero (der eine ähnliche Lage im Berufsverkehr hatte).
Allerdings richtete die Deutsche Bahn innerhalb von 15 Minuten (Respekt) einen SEV nach Stade ein. Sogar einen klimatisierten Bus! Der war auch schnell gut gefüllt und so machte sich der Bus auf den laaaaaangen Weg nach Stade über alle Dörfer, die auch die S3 ansteuern würde. Die Ankunft in Stade war um 21.50 Uhr – also eigentlich zu der Zeit, in der ich schon in Cuxhaven sein sollte. Doch der Spuk sollte nicht enden.

Auf der Anzeigetafel von Gleis 1 stand: METRONOM nach CUXHAVEN – Abfahrt: 20:55 -> ca. 100 Min. Verspätung.

Das hat uns noch gefehlt. Wir wollten gerne wissen, warum – bekamen aber keine genauen Informationen. Später fanden wir heraus, dass Äste auf die Gleise gefallen seien. Wie vertreibt man sich seine Wartezeit in Stade? Richtig, überhaupt nicht. Der Stader Bahnhof ist so eine Einöde, da hört man sogar die Mücken husten.

Apropos stechen: Einen Stich hatte auch ein Fahrgast in einer auffälligen orangenen Warnweste, der mit zwei Bierdosen “bewaffnet” einen Busfahrer lautstark beschimpfte. Es ging wohl um seine verspätete Heimfahrt. Der Mann kam übrigens, wie sein Bruder aus einem Dorf im Landkreis Cuxhaven (genaue Orte verschweige ich ^^). Jedenfalls, der Busfahrer kann ja nichts für den Blitzschlag. Nach knapp 50 Minuten richtete der Metronom einen SEV nach Cuxhaven ein. Da war es schon 22.40 Uhr. Doch ehe dieser abfahren konnte, musste man sich noch dem Mann mit der Warnweste zuwenden. Mit “man” ist die Polizei gemeint, die den irrwitzigen schimpfenden Wüterich gewaltsam aus dem Bus entfernen mussten. Und die Kinder, die im Bus saßen, hatten Angst – auch vor seinem Bruder. Sein Bruder wünschte ihm jedoch 10 Tage Knast, er sei ja selber schuld.

Die Frage die ich mir noch ernsthaft stelle: Bei so vielen telefonierenden Menschen, müssen sich die Telekommunikationsfirmen einen reichen Ast verdient haben, oder sind etwa die Netze auch zusammengebrochen? Man weiß es nicht.

Ach ja: Die Ankunft des Busses war 0.20 Uhr… Soviel dazu! Ich wünsche niemanden in den nächsten Wochen einen Blitzschlag! Ich danke euch!

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