Denkwürdiger Tag

Was mir heute passiert ist, hätte auch locker zehn Blogeinträge ergeben. ;) Aber nur im Zusammenhang ist zu verstehen, dass ich gerade zuhause ankomme und mir lauter kleine U-Bahnen um den Kopf schwirren.

Schlüsselerlebnis 1: Am Wochenende gab es hier einen S-Bahn-Ersatzverkehr, weil die S-Bahn-Hamburg ein neues Stellwerk eingerichtet hat. Dieses ist notwendig, um die neue Infrastruktur der Flughafen-S-Bahn anzubinden.

Glücklicherweise fuhr der S-Bahn-Ersatzverkehr in Richtung Innenstadt direkt vor meiner Haustür ab. Heute sollte dieser Ersatzverkehr eigentlich beendet sein. Morgens um kurz vor fünf ist auf Hamburg’s Straßen in den beschaulicheren Stadtteilen noch nicht so viel los. Als ich also um die Häuserecke gehe, kommt mir eine mittelalte, kleine Frau entgegen: “Die S-Bahn fährt heute noch nicht!” Ich wundere mich, aber drehe mit ihr ohne weiter zu fragen um und wir gehen in Richtung der Bushaltestelle. Während wir an der Bushaltestelle stehen, frage ich: “Gab es denn Lautsprecherdurchsagen?” “Nö”, meint die Frau. In meinem Kopf herrscht roter Alarm! “Ich wohne hier direkt an der S-Bahn und habe heute morgen noch durchfahrende Züge gehört”, sage ich. “Lassen sie es uns lieber an der Station probieren”, schlage ich vor. Es war drei Minuten vor Abfahrt des Zuges, der Ersatzverkehr wurde etwas abseits des Bahnhofs gelegt. Wir rannten beide los. Am S-Bahnhof oben angekommen, fuhr ein unbeleuchteter Geisterzug durch die Station. Unheimlich! Wir erwischten unseren Zug aber tatsächlich rechtzeitig.

Schlüsselerlebnis 2: Wir sind kurz vor Barmbek. Plötzlich: Alle Machinen stop. Der Zug hält an, ein Signal ist rot. Nichts geht mehr. Prima, denn ich habe drei Minuten in Barmbek, um zu meiner U3 zu gelangen. Der Zug fährt nach kurzer Zeit Schritttempo, dann schneller. Dann wieder full stop. Dann wieder schnell. Ich sehe die Zeit und habe noch circa eine Minute, um zum anderen Zug zu gelangen. Am Bahnhof selbst steige ich so aus, dass ich die Treppe runterrennen kann. Ich renne also und eine junge Frau mit einem Kaffeebecher rennt auch. Sehr zügig eigentlich. Kein Problem… …naja… bis auf Tatsache, dass sie auf der Rolltreppe plötzlich einen vollen Stop einlegt. Ich versuche vorbeizukommen, bin aber über ihr Rolltreppen-Hochkriech-Tempo so erschrocken, dass ich keinen Ton rauskriege und an ihrem Kaffeebecher nicht vorbeikomme, den sie schön auf der linken Seite (= der Überholspur trägt).

Schlüsselerlebnis 3: Die U-Bahn-Tür fällt vor meiner Nase zu.

Schlüsselerlebnis 4: Der Fahrer ist ein guter Mann und sagt durch: “Ich gebe die Tür nochmal frei, bitte steigen sie mit ein.” Dafür gibt’s in die Kamera einen Daumen nach oben.

Schlüsselerlebnis 5: Die Kaffeetante ist auch mit reingekommen und amüsiert sich: *ihihihi*. An diesem Punkt hätte ich fast meine gute Erziehung verloren.

Schlüsselerlebnis 6: Der Arbeitsrückweg. Der Bus 181, Wagennummer 27*8 (huhu, liebe Hochbahn! :D ) fährt Richtung Schlump. Zwei Mütter mit Kinderwagen sind im Bus. Sie wollen an der Schlankreye aussteigen. Es dauert ein bißchen, bis alle Kinder draußen sind und sie die Kinderwagen ausladen könnten. Könnten deswegen, weil der Busfahrer einfach losfährt. Die Kinder sind draußen, die Mütter drinnen. Sie schreien: “Hey, wir wollen noch aussteigen”. Der Busfahrer schreit: “Das gibt’s doch nicht! Können sie sich nicht beeilen oder was? Ist doch nicht mein Problem!” Der Streit geht weiter und der Busfahrer benimmt sich richtig unverschämt. Eine der Mütter sagt: “Ein bißchen Rücksicht wäre angebracht gewesen”. Sie hat völlig Recht. Ungeheuerlich. Eine Mail an die Hochbahn werde ich noch schreiben, wenn sie nicht sowieso hier mitliest. Ich ärgere mich, dass ich dem Fahrer nicht die Leviten gelesen habe, zumal er später noch Beschimpfungen vor sich hinfluchte. Meine Aorta wäre wenig später zum Nudelsieb geworden.

Schlüsselerlebnis 7: Die heftigst hageren Obdachlosen am Schlump beschimpfen mich, ich solle doch nicht so “dämlich glotzen”.

Schlüsselerlebnis 8: Endlich in der S-Bahn. Am Bahnhof Ohlsdorf steigt eine Frau mit starkem Knochenbau ein, deren Gesicht blutig zerkratzt ist, die Unterarme ebenso. Ihr speckiges T-Shirt ist mit Blut getränkt und sie isst dazu einen echt ekelhaften, riesengroßen Schokoriegel. Irgendwann zieht sie einen Kontoauszugshefter, vermutlich um die nahegelegene Bankfiliale zu erreichen, und steigt mit mir zusammen aus der Bahn. Mal ganz ehrlich – ohne Beschönigung: Ich hatte wirklich Angst, dass ich mir was einfange. Insider kennen bestimmt Björn’s Blutfünfer. Ein Artikel, den ich hier aus ethisch-moralischen Gründen nicht direkt verlinke. Ich möchte nicht schuld daran sein, wenn Euch später übel ist.

Schlüsselerlebnis 9: Endlich zuhause und dieser Blogeintrag. :D Viel Spaß beim Kommentieren!

7 Kommentare zu „Denkwürdiger Tag“

  • Nobody sagt:

    Oh man ich bin ja so stolz auf dich.

    Übrigens http://www.shopblogger.de/...

    [Ich hatte gesagt, der Direktlink wird nicht geposted. Gruß NetZero]

  • Knud sagt:

    > Irgendwann zieht sie einen H*spa-Kontoauszugshefter und steigt mit mir zusammen aus der Bahn. … Ich hatte wirklich Angst, dass ich mir was einfange.

    Welche Relevanz hat denn der Kontoauszugshefter hier? Soll der den Ekelfaktor des Postings verstärken?

  • NetZero sagt:

    Hallo Knud,

    Du hast völlig recht. Das steht in keiner Relevanz zum Artikel. Ich hatte hier versehentlich etwas vorausgesetzt, was ihr nicht wissen könnt. :)

    Den betroffenen Absatz habe ich verändert.

    Viele Grüße
    NetZero

  • Huhu,

    fahr mal ne runde Bus in Kiel … dagegen find ich Hamburg echt cool :)

    Ich geh mittlerweile Zufuss … 4 Jahre Buspendler haben mir das ÖPNV-Fahren hier abgewoehnt ….

    Gruss

    Stephan

  • Julie sagt:

    What a day…!

    Ab dem 25.09. fange ich ja meine neue Beschäftigung an und meine tägliche Route sieht wie folgt aus:

    Bus Linie 112 nach Altona – Kinder in den Kindergarten bringen.
    S3 von Altona bis Hammerbrook (City Süd)
    Bus Linie 112 von Hammerbrook (City Süd) bis Braune Brücke
    Bus Linie 130 (wußte nicht mal, dass diese Linie existiert!) von Braune Brücke bis Diagonalstraße.

    Mal sehen, was ich so erlebe *jaul*

  • NetZero sagt:

    @Julie: Du bist eingeladen, als Gastautorin mitzuschreiben. *hihihi*

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